1953 bis 1959

Flashback

Die frühen Jahre

Von Beginn an ist das 1000 Kilometer Rennen Bestandteil der neugeborenen Sportwagen-Weltmeisterschaft.

Der ADAC als Veranstalter beantragt beim Automobil-Weltverband FIA ein Langstreckenrennen in Deutschland. Als Austragungsort kommt damals nur der Nürburgring in Frage.

Da die Rennen der neuen Meisterschaft eine Mindestdistanz von 1000 Kilometern haben müssen, steht sehr schnell fest, dass das Rennen genau über diese Distanz führen wird. Am 30. August 1953 schließlich fällt erstmals die Startflagge für die 51 qualifizierten Fahrzeuge, die in acht verschiedenen Klassen auf die lange Reise durch die Eifelwälder geschickt werden. 

Große Starterfelder mit etlichen unterschiedlichen Fahrzeugen der verschiedenen Sportwagenklassen sind über die Jahre ein Markenzeichen des Rennens. Es geht also nicht nur um den Gesamtsieg, den die großen Hersteller eh unter sich ausmachen, sondern auch um die unzähligen Klassensiege, die von den Fahrern der kleineren Fahrzeuge mit genauso viel Einsatz und Herzblut erkämpft werden. 

Der erste Gesamtsieg geht an die Scuderia Ferrari, die mit ihren beiden Starfahrern Alberto Ascari und Giuseppe Farina den Lorbeer nach Italien holen. Volle acht Stunden und zwanzig Minuten benötigen die beiden in ihrem 375 MM für die 44 Runden. 

Das für den 29. August 1954 angesetzte zweite 1000 Kilometer Rennen findet nicht statt. Ein herber Rückschlag so kurz nach dem hoffnungsvollen Beginn. Der Grund liegt in der Nichtbeteiligung von Mercedes-Benz. Die Stuttgarter konzentrieren sich voll auf die Formel 1 und überraschen den ADAC mit ihrem unerwarteten Rückzug. Doch ohne Mercedes würden die Zuschauer wenig Interesse entwickeln. Um ein finanzielles Desaster abzuwenden, bleibt dem Veranstalter also nur die Absage des Rennens, für das der Club auf dem Titel seiner „Motorwelt“ schon die Werbetrommel gerührt hatte. 

Dass es auch 1955 nicht zu einem 1000 Kilometer Rennen kommt, hat einen anderen und sehr tragischen Grund: beim 24 Stunden Rennen in LeMans sterben mehr als 80 Zuschauer bei der größten Katastrophe in der Geschichte des Automobilsports. Eine regelrechte Absagewelle, die von der Formel 1 bis hin zu den Sportwagen reicht, erfasst daraufhin die Motorsportwelt. Auch das 1000 Kilometer Rennen ist betroffen. Immerhin wird als „Lückenbüßer“ ein 500 Kilometer Rennen für die kleineren Sportwagen bis 1500 ccm ausgetragen. 

Die vier weiteren Rennen der 1950er Jahre gehen aber wie geplant über die Bühne. 1956 gewinnt ein Maserati mit gleich vier Fahrern – einer von ihnen ist Stirling Moss – der in der Folge noch drei weitere Rennen als Sieger beendet und sich damit die Krone des erfolgreichsten Fahrers der „1000 Kilometer“ aufsetzen darf. Seine vier Gesamtsiege, zweimal für Maserati und zweimal für Aston Martin, sind von keinem anderen Fahrer erreicht worden. 

Moss schafft es jedesmal, die als haushohe Favoriten gehandelten Rennwagen aus dem italienischen Maranello auf die Plätze zu verweisen, obwohl Ferrari mit bis zu vier Werkswagen am Start steht und mit Fahrern wie Juan Manuel Fangio, Phil Hill, Eugenio Castellotti, Mike Hawthorn, Peter Collins, Luigi Musso und nicht zuletzt Wolfgang Graf Berghe von Trips wahrhaftig die Creme de la Creme der damaligen Weltelite zum Nürburgring bringt. Die deutsche Fahne wird von Porsche hochgehalten. Mit ihren „kleinen“ Sportwagen der 1,5 Liter Klasse erringen die Schwaben jede Menge Klassensiege bis es endlich im Jahr 1967 zum ersten Gesamtsieg reicht. Aber soweit sind wir noch nicht. Porsche’s Fahreraufgebot der 1950er Jahre umfasst Namen wie Richard von Frankenberg, seines Zeichens Journalist und für einige Jahre auch Streckensprecher am Ring), Harry Schell, Paul Frére, Edgar Barth, Joakim Bonnier, Umberto Maglioli oder Hans Herrmann, um nur einige zu nennen. 

Gern gesehene Gäste bei den Rennen der 50er und 60er Jahre sind Amateurfahrer aus England, die allerlei, oft abenteuerliche Gefährte mit in die Eifel bringen. Sie beherrschen über Jahre die kleinen Prototypen-Klassen. Hersteller wie Lola, Lotus, AC, MG, Austin Healey oder Morgan bereichern die Starterfelder und sorgen zusammen mit den Fahrzeugen der kleinen GT-Klassen für Betrieb auf der Nordschleife.